Was liegt denn da im Terrarium...?
Bei diesem Bericht handelt es sich nicht wirklich um etwas, das so richtig in die Kategorie 'Probleme' paßt. Da man im ersten Moment jedoch einen ziemlichen Schreck bekommen kann, wenn ein Thamnophis-Weibchen ihre ersten Wachseier (von manchem Halter auch Wassereier genannt) im Terrarium ablegt, will ich einmal darauf eingehen.
Am 17.05.2003
entdeckte ich spätabends im Terrarium meines gerade einmal 2 Jahre alten
Thamnophis elegans terrestris-Weibchens kleine glitzernde Gebilde im Bereich
um die Wasserschale. Im ersten Moment war ich ziemlich verunsichert, da die
Natter seit 19 Tagen kein Futter mehr angenommen hatte und sich beinahe ununterbrochen
in einem ihrer Verstecke aufgehalten hatte. Nach näherer Betrachtung
kam ich zu dem Schluß, das es sich bei den wie Gelee aussehenden Gebilden
wohl um Wachseier handeln könnte.
Bislang war ich davon ausgegangen, das es lediglich zur Wachseier-Ablage nach einer nicht erfolgreichen Befruchtung, also nicht erfolgreichen Paarung kommen könnte, oder das halt mal eines oder auch mehrere bei einer ansonsten erfolgreichen Nachzucht abgelegt werden könnten. Das traf aber für dieses Weibchen nun wirklich nicht zu, denn schließlich lebte sie seit September 2002 in Einzelhaltung und hatte bereits eine kühle Winterruhe hinter sich.
Nun im Nachgang
habe ich ein wenig bei anderen Haltern und meinem Tierarzt nachgefragt und
kann mich insoweit wieder beruhigen: Die Ablage dieser Wachseier wird allgemeinhin
als ganz normales Ereignis betrachtet. Als Stimulanz für die Ausbildung
befruchtungsreifer Follikel ist gar kein Kontakt zu einem männlichen
Tier erforderlich. Die Winterruhe alleine kann schon ausreichen. Man hat also
nichts falsch gemacht, wenn es zur Ablage von Wachseiern im Terrarium kommt,
auch dem betreffenden Weibchen fehlt es gesundheitlich an nichts!
Wie um das zu bestätigen, erlebte ich in den kommenden Wochen noch mehrere dieser 'Überraschungen'. Eine von zwei Rotseitigen Strumpfbandnattern legte am 06.06.2003 Wachseier ab, am 14.06.2003 folgte mein Thamnophis proximus proximus-Weibchen und aktuell scheinen auch meine melanistische T. sirtalis sirtalis und das T. sauritus sackenii-Weibchen kurz vor der 'Ablage zu stehen'. Rein theoretisch wären hier auch ggf. Jungtiere zu erwarten, aber die äußere Erscheinung insbesondere der T. s. sackenii lassen mich vermuten, das es halt nur Wachseier werden. Lediglich mein T. cyrtopsis cyrtopsis-Weibchen, welches ohne Kontakt zu männlichen Tieren UND ohne bisherige Winterruhe von mir gehalten wird, scheint keine unbefruchteten Eier zu tragen.
Nach
meinen Beobachtungen ist es so, das tatsächlich trächtige Weibchen
doch etwas anders aussehen, als solche die lediglich unbefruchtete Eier absetzen
werden. Während letztere eher gleichmäßig ab der Körpermitte
an Umfang zulegen und kurz vor der Ablage der Wachseier schon ziemlich plump
wirken, zeichnet sich bei trächtigen Weibchen besonders in den letzten
Wochen vor der Geburt ab der ungefähren Körpermitte eine Art 'Container'
ab. (Besser kann ich es einfach nicht beschreiben.) Vom Verhalten her konnte
ich keine Unterscheide zwischen den Nattern feststellen. Alle fressen deutlich
mehr und gieriger, und verringern dies entweder ganz plötzlich drastisch
oder stellen über maximal 14 Tage vor der Geburt oder dem Absetzen der
Wachseier die Futteraufnahme ein. Schon zwei Tage nach dem Absetzen der Jungtiere
oder Wachseier nehmen die Tiere wieder gierig das angebotene Futter auf.
Ebenso wie Jungtiere tragende Weibchen benötigen auch Wachseier tragende Weibchen ausreichend Futter und somit Nährstoffe. Es besteht durchaus die Gefahr, das es ansonsten zur sogenannten Legenot kommen kann, welche im schlimmsten Fall nicht überlebt wird. Ursachen für Legenot sind vor allem eine Unterversorgung mit Kalzium, aber auch in ganz erheblichem Maße Streß. Beobachtet man also eine recht rasante Zunahme des Umfanges eines Weibchens in den Wochen nach der Winterruhe sollte man es immer wie eine trächtige Natter behandeln, d.h. so wenig wie möglich händeln, gut füttern, ggf. für optimalere Temperaturen sorgen (trächtige Weibchen mögen es zumeist ein wenig wärmer) und selten stören; egal ob Paarungen stattgefunden haben oder nicht.

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