Natterntalk - Die Nattern plaudern

Chap & Cherry (1,1 Thamnophis elegans terrestris; Wildfang)

T. e. terrestris Bild 001Schon seit dem 04.07.2002 wohnen wir hier beim Jan und ehrlich gesagt hatten wir schon Sorge, das er es uns nie gemütlich macht. Denn bis gerade eben haben wir total bescheiden auf Pappe und Papier gelebt. Am 17.08.2002 ist es dann aber passiert: Wir haben unsere eigene Hütte bekommen! Endlich können wir vernünftig klettern, graben und mit annähernd echt aussehenden Blättern rascheln.

Der Grund warum der Jan uns so lange getrennt hatte ist angeblich der, das er uns erst richtig kennenlernen wollte. Er hat in einem seiner schlauen Bücher wohl gelesen, das wir oft und gerne alles mögliche fressen - sogar unser einer! Nachdem er nun weiß, wo unsere Grenzen sind und wir uns auch durchgehend anständig benommen haben, ist also unsere neue Hütte als sowas wie eine Belohnung zu betrachten.

T. e. terrestris Bild 003Wir zwei wurden vor einigen Jahren aus unserem natürlichen Zuhause weggefangen und nach Deutschland gebracht, wo wir seither auch leben. Mit unserem Umzug nach Berlin hat sich soviel garnicht verändert, weil der Jan von unserem bisherigen Halter ganz viele Hinweise bekommen hat, wie wir es am liebsten mögen.

Wie weiter oben schon erzählt, hatte der Jan einige Skrupel uns so mir nichts dir nichts zusammen in eine Hütte zu lassen. Kein Wunder, ist doch Chap (das Männiken) wirklich ein ganzer kleiner Mann. Ihr könnt Euch vielleicht vorstellen wie es aussieht, wenn ein schlankes 50 cm langes Chap-Männiken versucht bei einer fast 90 cm und wer weiß wieviel mal so dicken Cherry-Powerfrau zu landen. Das muß schon recht lustig aussehen, zumindest konnte der Jan sich das Grinsen nicht verkneifen! Dabei macht der Chap nichts anderes als alle Strumpfbandnattern: Er ist bemüht mit seinem im Vergleich klitzekleinen Köpfchen den riesengroßen Cherry-Kopf zu massieren, und weil er schnell merkt, das das nicht ausreicht, beginnt er das so dolle zu machen, das er immer wieder abrutscht. Aber er wäre kein doller Feger, würde ihn das entmutigen - nicht wahr?

T. e. terrestris Bild 004Wir Zwei sind also momentan damit beschäftigt uns an die neue Hütte zu gewöhnen und verbringen die meiste Zeit damit uns zu sonnen, nebeneinander rumzuliegen oder ...ihr wißt schon was.

In ein paar Tagen gibt es auch wieder Super-Futter für uns. Wir fressen am liebsten Mäuse oder nackte Ratten. Zu unserer Schande müssen wir gestehen, das wir die Fische, die der Jan uns angeboten hatte, ignoriert haben. Aber er war nicht böse, denn eigentlich wollte er uns eine Freude machen. Dabei haben wir schließlich alles!

Natürlich nicht bei uns in der Hütte - aber beim Jan - wohnt eines unserer Babys vom Dezember 2001. Es ist der oder die kleine Cheeky. Cheeky war die erste Zeit nach der Geburt das kleinste Schlänglein von allen und hat deshalb von unserem vorherigen Halter ganz viel Aufmerksamkeit bekommen.

T. e. terrestris Bild 005Mittlerweile holt er (oder eben sie) aber rasant auf und hat sich in den knapp eineinhalb Monaten hier schon zweimal aus der Haut gepellt. Und das Cheeky mal eine Fütterung auslassen sollte, wäre fast schon eine Schande für unsere Familie! Ganz verzaubert hat der Jan übrigens festgestellt, das Cheeky nach jeder Häutung mehr und deutlichere orangefarbige Pünktchen auf dem Bauch bekommen hat. Außerdem gleitet auch Cheeky mehr und mehr in eine schöne gleichmäßige Rotfärbung ab.


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T. e. terrestris Bild 020Ende September 2002 wurde dann das stämmige Cherry-Mädel plötzlich unleidig wenn es ums Futtern ging und der Jan begann sich bereits etwas Sorgen zu machen. Da sie aber keinerlei Krankheiten aufwies, wie sich nach einer wahrhaft großen Kotprobe (der Tierarzt war fast über und über voll...) herausstellte, deutete der Jan das ganze so, das sie wohl ein wenig müde geworden war übers Jahr hinweg. Schließlich hatte die Gute wegen Schwangerschaft beim vorherigen Herrchen auf ihre Winterruhe verzichten müssen und nun forderte sie die kühle Phase halt ein bisschen eher ein.

Nachdem das überstanden war und Cherry auch endlich wieder aus ihrer Haut geschlüpft war, kam nicht nur die alte 'Du bist eine Maus? - Dann falte ich dich jetzt zusammen!'-Gewohnheit wieder, auch ich, das seitdem um immerhin knapp 10 cm gewachsene Chap-Männiken, durfte mich mit ihr amüsieren. Auch wenn meine knapp 10 cm Längenwachstum nicht wirklich etwas im Vergleich zur der ebenfalls um einige Zentimeter verlängerten Cherry bedeuten, ist es doch schon erstaunlich, das auch wir älteren Nattern noch so viel Potenzial für Wachstum haben, oder? Also dem Jan ist es natürlich voll und ganz recht.

Seit meinem Amusement mit der strammen Cherry darf sie nun wieder alleine im großen Terrarium wohnen, während ich in das 60x40x40'er Becken zurückgesiedelt wurde. Aber so gibt es keinen Streß mehr vor dem Füttern und Cherry kann ihren ziemlich eindeutig schwangeren Leib unbehelligt von mir direkt unter dem Lampenspot positionieren.

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