Der 6. Wurf / 2006
In den letzten Jahren konnten sich einige Arten und Unterarten der Gattung Thamnophis in Europa, auf welche viele Strumpfbandnattern-Begeisterte schon seit Jahren sehnsüchtig geschielt hatte, recht gut etablieren. Musste man bis vor wenigen Jahren die sirtalis Unterarten concinnus oder infernalis als pure Wunschvorstellung abtun, so änderte sich dies zuerst nach und nach und schließlich teilweise rasant. Gleiches gilt für Thamnophis atratus atratus, die Santa-Cruz-Strumpfbandnatter.
Soweit ich das abschätzen konnte stammten die in den letzten drei oder vier Jahren aufgekommenen T. atratus atratus eigentlich alle aus Linien von einem holländischen Züchter, von dem auch ich mein mittlerweile ‚zuchtreifes’ Weibchen als Babyschlange erworben hatte. Daher freute es mich sehr, als mein Freund Daniel Grübner mir anbot sein Männchen, einen Direktimport aus den USA, für meinen ersten Nachzuchtversuch mit dieser schönen Thamnophis Unterart zu leihen.
Nach 82 Tagen Winterruhe setzte ich mein Lil’ Cruz getauftes Weibchen wieder in ihr Terrarium und erst gute fünf Wochen später (am 31. März 2006) betrat bzw. beschlich das Männchen das gleiche Becken. Beide Nattern hatten keine Zeit zu verlieren und paarten sich über die nächsten Tage mehrfach. In den folgenden Wochen fraß mein Weibchen derartig heftig, das sie einmal sogar ein Rattenbaby (natürlich die 4-7 cm große Sorte, was sonst…?) auswürgen musste. Zum Ende des Junis schaffte sie so große Futterbrocken gar nicht mehr und bekam daher zuerst kleinere Rattenbabys und später ein paar wenige Stinte (von denen sie dann sowieso die Hälfte liegen ließ) angeboten.
Am 04. Juli 2006 kam ich nach Hause und erwischte Lil’ Cruz wie sie gerade das erste Jungtier absetzte - was war ich glücklich! Schon wieder sollte ich also einer Geburt beiwohnen dürfen. Ich machte es mir also gleich mal mit einer großen Tasse Kaffee vor dem Terrarium bequem und harrte der Dinge die da kommen sollten… es aber einfach nicht taten! Lil’ Cruz kroch zwar anfangs noch geflissentlich durch das Terrarium, verzog sich aber irgendwann einfach in ein Versteck und beließ es dabei. Nun sah mir die Gute aber nicht so aus, als ob da keine weiteren Jungtiere oder im schlimmsten Fall eben Wachseier mehr in ihr waren. Was also tun? Ich fing erst einmal das eine Jungtier aus dem Becken und hob das Weibchen einfach mal an, aber die Optik hatte nicht getäuscht - ganz eindeutig ließen sich die weichen Hubbel auf der Bauchseite ertasten; ich würde mich wohl einfach gedulden müssen.
Am nächsten Morgen gab es immer noch kein weiteres Jungtier, dabei war ich mir so sicher gewesen, dass sie eben völlig ungestört über Nacht die Geburtstätigkeiten wieder aufgenommen hätte. Nicht besonders gut gelaunt musste ich trotzdem erstmal wieder zur Arbeit, wurde aber dafür beim Heimkommen richtig belohnt. Lil’ Cruz hatte dem ‚Druck’ nicht standgehalten und 8 weitere Babes (die ich passender Weise die Cruzbabes benannt habe) abgesetzt. Für ein junges T. atratus Weibchen ist ein Wurf mit 9 Jungtieren gar nicht so gewöhnlich – ich war hoch erfreut, zumal die kleinen Cruzbabes nicht nur im Verhalten völlige Ausgeglichenheit boten, sondern auch schon am 4. Lebenstag total gierig ans Futter (Stint- und Rattenstückchen sprangen).
Verglichen mit den anderen Jungtieren dieses Jahres war wohl die größte Erleichterung dass die Cruzbabes kein Wässerchen trüben wollten oder konnten (nur sprichwörtlich versteht sich, die Wasserschale blieb auch nicht länger sauber als bei anderen Jungtieren ;-)) - bei den Fütterungen gab es überhaupt keine Reiberein, Köpfchen an Köpfchen wurde das Futter, welches ich eine ganze Weile mit Stintschnipseln aufpeppen musste, eingenommen und auch die Begegnungen zwischen den kleinen Nattern und mir, dem Herrchen, verliefen ausgesprochen harmonisch. Witzig, immer wenn ich die Babes nach dem Reinigen des Beckens zurücksetzte fiel mir auf, dass es sie eigentlich eher nach unten denn nach vorn zieht - zumindest wenn man davon ausgeht, wie sie ihre Köpfe in Position gebracht hatten (normalerweise bei Thamnophis leicht fliehend nach vorn - bei diesen Jungtieren irgendwie bohrend nach unten). Das musste ich doch gleich mal bei den großen T. atratus Tieren nachprüfen - und tatsächlich auch diese würden sich scheinbar lieber senkrecht fallen lassen, als mit einem kleinen Vorwärtssprung zu entkommen.
Auch den Cruzbabes spendierte ich die bereits erwähnte Winterruhe und letztendlich habe ich eines der Babes (ein Männchen) in meinem Bestand behalten. Der kleine Natternkerl hat sich prima entwickelt und genau wie sein Vater eine schöne dunkle Grundfarbe. Auf einigen der letzten größeren Reptilienbörsen hatte ich nämlich schon ganz gut und breit gewachsene Jungtiere gesehen, die eine eher hellgraue Grundfärbung aufwiesen – mir gefallen sie am besten wenn sie fast schwarz mit einem auffälligen gelben Rückenstreifen sind. Wie auch immer, wenn sie auf die Welt kommen, glaubt man bei einigen der Jungtiere sogar, dass sie nicht nur grau sind, sondern gar grünlich schimmern – das verliert sich aber rasch.
Der 7. & letzte Wurf / 2006
Auch meine Nattern werden nicht jünger und im Rahmen dieser Erkenntnis hatte ich ja bereits das T. elegans terrestris Weibchen Cherry noch einmal zur Nachzucht kommen lassen; ebenso wie meine Florida-Bändernatter Fräulein Tanner (Thamnophis sauritus sackenii).


Hält man Bändernattern in gut mit Ästen und Deckung versehenden Terrarien ist es wahrscheinlich der pure Zufall, wenn man sie einmal beim Paaren erwischen sollte. Ich kann daher nicht sagen, wann das Fräulein und der Mister (Nachname auch Tanner) sich vielleicht näher gekommen waren; auf jeden Fall gab es am 12. März etwas Aufregung seitens des Misters, der sich beim Begleiten des Fräuleins parallel einer Häutung hingab und sich bei dieser Gelegenheit gleich auch die Brille eben nicht wie üblich vom Kopf rieb oder zog, sondern schlicht abriss. Ich war schon voller (gespielter) Vorfreude, dass ich demnächst also diesem Zappelphillip die Brille vom Kopf abziehen durfte, aber ein paar Tage später hatte er es doch noch selbst hinbekommen, so dass ich ihn nicht mit nassem Handtuch oder Pinzette malträtieren musste.
Am 21. Juli 2006 setze das Fräulein dann 10 Jungtiere in ihrem Terrarium ab, einen Tag später hatte sich deren Zahl leider auf 9 reduziert (eines war ohne äußerliche Anzeichen gestorben). Nach zehn Tagen bot ich das erste Futter, einen Stint- und Rattenstückchen-Mix an, der schon recht gut angenommen wurde. Die kleinen, immer so zart und zerbrechlich aussehenden Jungtiere entwickelten sich ebenfalls gut, wobei man bei T. sauritus wohl auf die schnell sichtbare Entwicklung etwas länger warten muss.
Ab Mitte Oktober ging ich dazu über den noch bei mir lebenden Jungtieren ausschließlich Rattenstückchen zu servieren und eigentlich hatte ich geplant eines der Tiere für mich zu behalten. Ein Freund jedoch hatte ein Jahr zuvor ebenfalls Nachzuchten von Thamnophis sauritus sackenii gezogen und so tauschten wir einfach Weibchen aus. Somit steht für den nächsten Versuch meinem Mr. Tanner, der zwischenzeitlich seine doch etwas ältere Gefährtin – das Fräulein - verloren hat, wieder frisches und sogar junges Blut zur Verfügung ;-)
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