Der Nattermann

T. s. parietalis Bild 001 smallAls ich am 26.12.2000 meine erste Schlange samt Terrarium und Zubehör geschenkt bekam, war die Freude erst einmal riesengroß.

Meine Familie hatte das Tier von einem privaten Halter gekauft und einige Informationen mitgebracht. Diese stimmten nur leider fast überhaupt nicht mit der Realität überein. Zum einen handelte es sich bei dem ca. 80 cm langen Männchen nicht um eine Thamnophis sirtalis sirtalis, sondern um eine sirtalis parietalis (Rotseitige Strumpfbandnatter), was aber natürlich noch verkraftbar ist. Des Weiteren war das Tier mit 100 prozentiger Sicherheit älter als ein Jahr, überhaupt nicht an totes Futter zu bringen und keineswegs irgendwie aktiv. Auch konnte ich überhaupt keine Fortschritte der bereits eingesetzten Häutung feststellen.

In der folgenden Woche versuchte ich immer wieder unterschiedliches Futter anzubieten, was damit endete, das ich meinem Nattermann (so nannte ich ihn) ewig mit einem Tauwurm vorm Kopf rumwedelte bis er sich entschloß, diesen in einer ungefähr 15 Minuten andauernden Sitzung zu verspeisen. Beunruhigt durch dieses, wie ich zwischenzeitlich mitbekam, auf Krankheiten hinweisende Verhalten, suchte ich auch auf Anraten der sehr netten Community im Internet genau eine Woche später, am 02.01.2001, einen Tierarzt auf.

T. s. parietalis Bild 002 smallErfreulicher Weise hat Dr. Mutschmann (Verfasser des - bis dato - in Deutschland als Standartwerk geltenden Buches "Die Strumpfbandnattern") seine Praxis ganz in meiner Nähe.

Der Tierarztbesuch verlief zunächst richtig niederschmetternd. Nachdem ich meinen Nattermann aus seinem Transportbehältnis genommen hatte, stellte der Tierarzt sofort fest, das mein Tier "auf dem letzten Loch pfiff". Er fragte mich, ob ich eine Behandlung wünschte, da die Aussichten auf Erfolg nicht besonders groß seien. Aber ich entschloß mich gleich, das hier geholfen werden mußte. Also erfuhr mein Nattermann eine Komplett-Überholung. Zuerst wurde er gebadet und "zwangsgehäutet", dann wurde ihm ein Vitamincocktail gespritzt, er wurde gewogen, gemessen, "ausgedrückt" und erhielt die erste von vier Schluckimpfungen gegen den absolut kritischen Parasitenbefall. Insbesondere der Befall mit dem gefürchteten Innenparasiten Entamoeba invadens sei, so wurde mir erklärt, sehr ernst zu nehmen. Des Weiteren sei die Schlange völlig unterernährt, von einem ungefähren Mindestgewicht von 150 Gramm, wog mein Tier nur 60 Gramm.

Zu Hause angekommen, räumte ich gleich das gesamte Terrarium leer, desinfizierte und reinigte es mehrmals. Anschließend legte ich es mit zwei Lagen Küchenpapier aus, stellte ein Plastiktrinkgefäß mit Wasser auf und legte ein neues vorher gesäubertes und desinfiziertes Stück Korkrinde dazu.Nun konnte der Nattermann in seine neue Heimat einziehen. Und siehe da, meine Stimmung hob sich deutlich, als er gleich durchs Terrarium kroch, alles bezüngelte und sogar zwei Tauwürmer richtiggehend gierig verschlang. Ich schöpfte echte Hoffnung auf eine baldige Genesung.In den kommenden Tagen fraß er wie verrückt weitere Tauwürmer, kleine Süßwasserfische und ziemlich große Goldfische. Leider konnte er sich mit toten Futtertieren nicht anfreunden. Mir war jedoch viel wichtiger, das er überhaupt fraß. Natürlich hatte ich vom Tierarzt eine entsprechende Empfehlung bekommen, dem Tier immer wieder Futter anzubieten. Von den übrigen Gewohnheiten der Strumpfbandnattern bekam ich leider nichts zu sehen (Neugier, Badelust, Verstecken, schnelle Reaktionen).

T. s. parietalis Bild 003 smallKnapp 14 Tage nach meinem ersten Tierarztbesuch wurde ich mit meinem Pflegling wieder vorstellig. Der Tierarzt war mit der Genesung des Nattermanns recht zufrieden, spritze ihm noch einmal Vitamine und gestattete für das kommende Wochenende den Rückzug ins dekorierte Terrarium. Also richtete ich das Terrarium komplett neu ein; die wenigen Gegenstände welche ich wieder verwenden wollte, überspülte ich mehrmals mit kochendem Wasser, desinfizierte sie mit Sagrotan und fror sie anschließend noch einen Tag ein.

Im neu dekorierten Terrarium ging es dem Nattermann auch eine Woche recht gut, obwohl mir immer noch die fehlende Reaktionsbereitschaft oder Badelust auffiel. Auch unternahm er keine Versuche sein Futter aus der großen Badeschale zu fangen, sondern wartete bis ich es ihm an Land legte. Insgesamt war ich mit den Fortschritten jedoch schon sehr zufrieden.

T. s. parietalis Bild 004 smallNach fünf Tagen fand ich das Tier hinter einem größeren Borkenstück, wie ich zunächst glaubte, zusammengerollt liegen, mußte aber an den kommenden zwei Tagen feststellen, daß diese Lage offensichtlich nichts damit zu tun hatte, das nun endlich ein schöner Versteckplatz gefunden worden war. Vielmehr erweckte das Tier bei mir den Eindruck sich eingeklemmt zu haben. Also nahm ich vorsichtig das Borkenstück aus dem Terrarium und sah, das mein Sorgenkind ungefähr in der Körperhälfte einen ziemlichen Knick hatte. Natürlich war ich sehr erschrocken, eine selbstständige Befreiung aus dieser Lage schien dem Tier unmöglich, also legte ich es vorsichtig ausgestreckt zurück. In dieser Position verharrte er dann auch. Lediglich den Kopf bewegte er regelmäßig. Als er auch am nächsten Tag immer noch kein Futter zu sich nehmen wollte, brachte ich ihn wieder zum Tierarzt.

Vermutlich war es mein Fehler, dem Tierarzt zu sagen, das sich der Nattermann offensichtlich eingeklemmt oder zumindest verrenkt hatte, denn bei der anschließenden Röntgenuntersuchung wurde tatsächlich eine kleine Wirbelverrenkung festgestellt, die allerdings eigentlich nach der Behandlung schnell in Ordnung kommen sollte. Leider war das überhaupt nicht der Fall. Aufgeregt, nach dem Tierarztbesuch fraß mein Nattermann zwei Tauwürmer, um anschließend das Futter überhaupt nicht mehr zu beachten. Aus dieser Zeit stammen auch die Fotos vom Nattermann, welche hier zu sehen sind.Es ist erstaunlich, wie gut der Nattermann auf diesen Bildern aussieht, aber auch nur wenn man weiß, das er sich fast gar nicht mehr bewegt hat und keine Nahrung zu sich nehmen wollte. Selbst das Öffnen der Terrarientüren zum Fotoschießen veranlaßte ihn zu keiner Reaktion. Die gesamte Körperunterseite war (vermutlich vor Schmerzen) zusammengezogen.

Nach 5 Tagen suchte ich recht verzweifelt den Tierarzt wieder auf. Nach ausgiebiger Untersuchung wurde festgestellt, daß die Parasiten (Entamoeba invadens) zurückgekommen waren. Es erfolgte eine erneute Behandlung (Spritze, Schluckimpfung), welche jedoch nicht zum Erfolg führte. Das Tier war bereits nach 24 Stunden verstorben.

Rückblickend muß ich feststellen, das das A & O in der Schlangenhaltung auf jeden Fall mit der sorgfältigen Anschaffung der Tiere beginnt. Ich mutmaße nun, daß mein Nattermann ganz sicher nicht aus einer Nachzucht stammt und vorher sonderlich gut gehalten wurde. Auf Nummer Sicher zu gehen bei der Anschaffung einer Schlange ist gewiß nicht einfach, aber man sollte insbesondere darauf achten, das der Körper des Tieres einem auch wirklich "rund" erscheint (so sehen Schlangen nun einmal aus), das die Schlange durchaus Fluchtversuche beim Herausnehmen aus ihrem Behälter unternimmt (das dürfte ganz normal sein), das sie gerade in diesem Moment züngelt und möglichst tatsächlich Nahrung zu sich nimmt.

T. s. parietalis Bild 005 smallIch persönlich denke auch, daß sich für einen Anfänger (wie auch mich) eine bereits vor dem Kauf einsetzende "Informationslavine" durchaus anbietet. Das Internet bietet hier auf jeden Fall die ausführlichsten Informationen zur Haltung, wohingegen die Beschreibung der natürlichen Lebensräume und das allgemeine Verhalten der Tiergattungen in einschlägiger Literatur vielleicht ausführlicher behandelt werden.

Natürlich habe ich nach der traurigen Geschichte des Nattermanns mein neues Hobby nicht aufgegeben. Insbesondere der Vergleich zwischen meinen jetztigen Tieren und dem Nattermann verdeutlicht mir nun immer mehr, in welch schlechtem Zustand sich der Nattermann beinahe pausenlos befunden haben muß.

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