Minis/FAQ's zu Bänder- und Strumpfbandnattern
Vermehrung
Ab wann können Thamnophen zur Vermehrung gebracht werden?
Ist eine Winterruhe für eine erfolgreiche Nachzucht erforderlich?
Wie lange dauert es bis die Jungen geboren werden?
Soll das Weibchen während der Trächtigkeit von anderen Tieren getrennt werden?
Wie kommen die Jungen auf die Welt und wie viele sind es?
Die Geburt müßte unmittelbar bevorstehen - was ist zu tun?
Was ist innerhalb der ersten Lebenstage der Jungen zu beachten?
Wann und wieviel Futter kann den Jungtieren gegeben werden?
Ab wann kann ich Jungtiere an andere Halter abgeben?
Ich habe im Internet oder in einem Buch abweichende Informationen gefunden - was soll ich glauben?
Ab wann können Thamnophen zur Vermehrung gebracht werden?
Unter natürlichen Bedingungen sind die Nattern ab circa dem 2. bis 3. Lebensjahr geschlechtsreif. Im Terrarium sollte man die Tiere ebenfalls erst ab diesem Alter und nach Erreichen einer gewissen Zuchtkondition des Weibchens zur Paarung bringen bzw. kommen lassen. Es kann also durchaus erforderlich werden, das man die Nattern vorerst nach Geschlechtern getrennt im Terrarium hält.
Das
Weibchen sollte eine angemessene Größe erreicht haben (z.B.
Thamnophis sirtalis, T. marcianus oder T. radix ab mind. 75 cm). Es
sollte weiterhin gut genährt, nicht jedoch 'fett' sein. Weibchen,
welche sich weich und 'wabbelig' anfühlen wurden in der Vergangenheit
verkehrt gefüttert und laufen Gefahr die Trächtigkeit (insoweit
es überhaupt dazu kommt) nicht oder nicht optimal zu überstehen.
Das Alter und die Größe der Männchen spielt im übrigen
keine derartig gravierende Rolle.
Ist eine Winterruhe für eine erfolgreiche Nachzucht erforderlich?
Dies hängt von der Thamnophis-Art ab. Man ist sich jedoch einig, das eine Winterruhe oder zumindest eine kühlere Ruhephase über einige Wochen nicht nur den Fortpflanzungstrieb der Nattern stimuliert, sondern die Wahrscheinlichkeit einer aus der Paarung resultierenden erfolgreichen Trächtigkeit erhöht.
Wie lange dauert es bis die Jungen geboren werden?
In der Literatur wurden hierzu sehr unterschiedliche Angaben gefunden. Diese reichen für die häufiger in Gefangenschaft gehaltenen Arten von 60 bis über 100 Tage. Da man den genauen Zeitpunkt einer erfolgreichen Befruchtung nie genau bestimmen kann, sollte man bei den ersten Anzeichen der Trächtigkeit (der Körper des Weibchens wird ab der ungefähren Körpermitte zum Schwanz hin kräftiger, das Weibchen frißt deutlich mehr als bisher und stellt ggf. die Futteraufnahme nach einigen Wochen ein) mit den folgend erwähnten Vorbereitungen beginnen.
Soll das Weibchen während der Trächtigkeit von anderen Tieren getrennt werden?
Es wird oftmals empfohlen das Weibchen in dieser Zeit zu separieren bzw. weitere, im selben Terrarium gehaltene Tiere, umzusetzen. Meine persönliche Erfahrung ist, das das trächtige Weibchen aufgrund seines ungemeinen Dranges zur Nahrungsaufnahme schon aus praktischen Gründen in Einzelhaltung besser aufgehoben ist. Auch könnten im Terrarium anwesende Männchen zu einer 'Geißel' für die werdende Mutterschlange werden, da die Weibchen häufig auch während der Trächtigkeit noch Sexuallockstoffe (Pherome) über die Haut absondern, welche die Männchen zu erneuten Paarungsaktivitäten animieren können. Das große Terrarienputzen sollte man auf den erstmöglichen Zeitpunkt nach stattgefundener Geburt verschieben.
Wie kommen die Jungen auf die Welt und wie viele sind es?
Die
Jungtiere werden in dünnen Eihäuten (auf irgendwelche wissenschaftlichen
Beschreibungen dieser wird hier verzichtet) geboren. Unmittelbar bei oder
nach der Geburt verlassen die gesunden und kräftigen Jungtiere diese
Eihäute.
Die Anzahl der Jungtiere ist wiederum von der Thamnophis-Art/-Unterart
abhängig. Durchschnittlich werden im Terrarium 10-20 Jungtiere geboren.
Zu den Unterarten mit den höchsten Wurfgrößen zählen
T. radix, T. sirtalis sirtalis und T. sirtalis parietalis. Bei der
Geburt können die Jungtiere zwischen 12 und knapp 30 cm lang sein.
Die Geburt müßte unmittelbar bevorstehen - was ist zu tun?
Das
Terrarium mit dem trächtigen Weibchen ist auf Ausbruchssicherheit
(in Bezug auf die Jungtiere) zu prüfen. Besondere Aufmerksamkeit
sollte dem Spalt zwischen den Schiebescheiben zukommen. Es bietet sich
an diesen Spalt mit einer Pappe o.ä. abzudichten. Das Terrarium ist
täglich auf eine ggf. erfolgte Geburt zu kontrollieren (genau hinsehen!).
Größere und tiefe Wassergefäße sind durch flache,
kleinere Schalen zu ersetzen.
Nach der Geburt sollten die Jungtiere baldmöglichst aus dem Geburtsterrarium
entfernt werden und in für die Aufzucht angemessene Behälter
(ab 20x20x20 cm) umgesetzt werden. Es empfiehlt sich nicht mehr als 5-10
Jungtiere in einem derartigen kleinen Terrarium unterzubringen. Das kleine
Terrarium ist spartanisch mit Küchenpapier, einer kleinen flachen
Wasserschale und einfachen, leichten Verstecken (halbierte Papprollen)
auszustatten. Gerne nehmen die Jungtiere auch angebotene Klettermöglichkeiten
in Beschlag. Anfangs sollte ein Teil des Küchenpapiers leicht befeuchtet
werden. Als pauschale Temperaturempfehlung können 26-27 °C tagsüber
(Nachtabsenkung auf ungefähr 22 °C) gegeben werden.
Was ist innerhalb der ersten Lebenstage der Jungen zu beachten?
In
den ersten Lebenswochen sollte den kleinen Nattern völlige Ruhe gegönnt
werden. Störungen durch Wasserwechsel und Reinigungen sind natürlich
unumgänglich.
Bei der Handhabung der Jungtiere ist äußerst bedächtig
vorzugehen, da sie aufgrund ihrer geringen Größe sehr schnell
verletzt werden oder aufgrund ihrer Schnelligkeit rasch entkommen könnten.
Wann und wieviel Futter kann den Jungtieren gegeben werden?
Je
nach Zuchtkondition des Weibchens und Wurfgröße haben die kleinen
Nattern für die erste Zeit nach der Geburt ausreichende Reserven,
so das es nicht verwundern darf, wenn der Großteil der Tiere in
der ersten Woche noch kein Futter aufnimmt. Man sollte auf jeden Fall
ab dem dritten Lebenstag Futter (z.B. sehr klein geschnittenen Fisch,
Regenwurmstücke oder Babymausteile) anbieten. Zwischen diesen Fütterungsangeboten
läßt man unabhängig vom Resultat einen vollständigen
Tag futterfrei. Von Zwangsfütterungen oder anderen 'Panik-Aktionen'
ist generell unbedingt Abstand zu nehmen! (Ich habe hin und wieder den Eindruck, das das Hinweisen auf die Möglichkeit zur Zwangsfütterung in diverser Literatur immer wieder die Tatsache der möglichen Futtertiere ignoriert. Ein Strumpfbandnattern-Jungtier, welches weder lebendige Regenwürmer oder kleine lebendige Fische frißt ist möglicherweise noch gar nicht hungrig oder wird unter unvorteilhaften Konditionen im Terrarium gehalten).
Nach Aufbrauch der vom Muttertier mitgegebenen Reserve werden die gesunden
und kräftigen Jungtiere freiwillig und ausreichend selbstständig
Futter aufnehmen.
Nachdem alle Jungtiere zweimal hintereinander Futter aufgenommen und es
auch verdaut haben, sollte jeden 2. bis eher 3. Tag gefüttert werden.
Dies ist abhängig von der Verdauung der Jungtiere zu machen. Mit
der Verabreichung von Vitaminpräparaten sollte wenigstens 14 Tage
gewartet werden.
Das Weibchen sollte bereits wenige Tage nach der Geburt wieder zur Futteraufnahme
bereit sein. Es ist darauf zu achten, das sie z.B. in Gemeinschaftshaltung
mit anderen Nattern auch ausreichend versorgt wird.
Ab wann kann ich Jungtiere an andere Halter abgeben?
Es sollte festzustellen sein, ab wann die Jungtiere futterfest sind. Hier kann man sich sicherlich frühestens nach 4 Wochen halbwegs sicher sein. Je nach Erfahrung des neuen Halters mit Reptilien sollten die Jungtiere frühestens mit 4 bzw. 8 Wochen abgegeben werden. Als grober Anhaltspunkt kann also die 'zweite Häutung' (ungefähr nach 4 Wochen, selten eher) oder die darauffolgende Häutung genommen werden.
Ich habe im Internet oder in einem Buch abweichende Informationen gefunden - was soll ich glauben?
Die
hier wiedergegebenen Beschreibungen beschränken sich natürlich
nur auf meine Erfahrungen. Ich habe selbst in einigen verfügbaren
Quellen teilweise meinen Erfahrungen widersprechende Beschreibungen gefunden.
Hauptsächlich beziehen sich diese auf den Zeitpunkt der erforderlichen
Futteraufnahme durch die Jungtiere, den Zeitpunkt der 'zweiten Häutung',
Maßnahmen zum Befreien von lebensschwachen Jungtieren aus den Eihüllen,
Angaben zur Zuchtkondition des Weibchens oder die Notwendigkeit der Zwangsfütterung
von Jungtieren.
Ich kann an dieser Stelle einfach nur dazu raten, meine Beschreibungen
als 'begrenzte Erfahrung' zu betrachten und nach eigener Nachzucht ggf.
noch einmal zum Vergleich heranzuziehen.
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