Beschreibungen zur Lebensweise der von mir gehaltenen Thamnophis-Arten
Thamnophis proximus orarius (Golfküsten-Bändernatter)

(Die
Pfeile weisen auf das recht geringe Verbreitungsgebiet - Küstenstreifen
- der Thamnophis-Art hin)
Thamnophis proximus orarius wird 60 bis 90 cm lang, wobei mir auch Längenangaben bis 125 cm untergekommen sind. Mein Männchen ist vermutlich noch nicht "ausgewachsen" (so ganz richtig ist das natürlich nicht formuliert: Schlangen wachsen ihr ganzes Leben lang, Proximan ist meinen Natterhemd-Schätzungen nach in den ersten 4 Monaten seines Aufenthaltes bei mir circa 5-7 cm gewachsen).
Die Tiere leben prinzipiell immer in direkter Gewässernähe an buschigem, dicht bewachsenem Gelände. Sie sind tagaktiv und sehr geschickte Kletterer. Bei Störungen lassen sie sich gerne sofort von über das Wasser ragenden Büschen oder Ästen fallen, um schwimmend oder auch tauchend zu entkommen.
Bändernattern
werden häufig als zwar agile aber auch hektische, nervöse Tiere
mit sehr hoher Fluchtdistanz beschrieben. Mein proximus-Männchen entspricht
diesen Vorgaben langsam immer mehr, wobei ich jedoch sein Verhalten eher nicht
als scheu bezeichnen möchte - bei konkreter Annäherung mit der Hand
trifft es wohl eher den Begriff "ungestüm". Er klettert sehr
gerne und ist überaus zeigefreudig, was sich in seiner Angewohnheit,
den ganzen Tag ins Zimmer hinauszuschauen, bemerkbar macht. Nachdem er sich
nun auch richtiggehend eingelebt hat, kann festgestellt werden, das er sein
Revier gern verteidigt und keinesfalls glaubt, darauf angewiesen zu sein,
von mir aus dem Terrarium genommen zu werden. Mit ein bisschen Übung
klappt es aber natürlich trotzdem.
In der Natur ernähren sich die Westlichen Bändernattern vorwiegend von Anuren, Salamandern und Fischen. Mäuse werden nicht erbeutet. Um Futter zu erbeuten halten sich die Tiere auch oft längere Zeit im Wasser auf.
Gemäß der mir bekannten Literatur werden bis zu 27 lebendige Jungtiere zwischen Juni und September geboren.
Die Westliche Bändernatter überwintert in den meisten Fällen einzeln unter einem Stein, wurde aber auch in Gemeinschaftsquartieren mit anderen Reptilien gefunden. Tiere aus dem südlichen Verbreitungsgebiet (also z.B. meine T. p. orarius) sind bei angemessenen Temperaturen auch ganzjährig aktiv.
Anmerkungen
Ich habe ganze vier Monate gebraucht um meine Bändernatter sicher bestimmen zu können und um herauszufinden, ob ihr Verhalten im Terrarium dem in der Natur entspricht. Das englischsprachige Buch "The Garter Snakes: Evolution and Ecology", welches über meine Webseite bestellt werden kann (unter 'Literatur') hat ganz spontanen Aufschluß über diese beiden offenen, mich richtiggehend quälenden Fragen gegeben!
Das
meine Bändernatter den Tag am liebsten auf einem ihrer Äste verbingt,
wundert mich nun also nicht mehr. In o.g. Buch entdeckte ich die grafische
Auswertung einer Studie über die Aufenthaltsorte unterschiedlicher Thamnophis-Arten
während ihrer jahreszeitlichen Aktivitätsphasen. Zwar wird die Nominatform
der von mir gehalteten Thamnophis proximus-Unterart nicht erwähnt, dafür
bezieht die Studie jedoch die in ihrem Verhalten und ihrer Lebensweise beinahe
identische Thamnophis sauritus ein. Vergleicht man also die Aufenthaltsorte
der unterschiedlichen Arten, so wird ganz deutlich das Bändernattern
zu circa 70% in folgender Lage beobachtet werden konnten: Die Tiere sonnen
sich auf Ästen, Büschen oder sonstiger Vegetation über dem
Erdboden! Um circa 4% liegt der Anteil der Bändernattern, welche sich
während der Beobachtungen auf dem Boden befunden haben, knapp 25% waren
in Bewegung. Der Anteil der Nattern, welche "unter Tage" beobachtet
wurden ist verschwindend gering.
Somit kann ich davon ausgehen, das meine Bändernatter nicht aus besonderer
Scheu o.ä. beinahe den ganzen Tag auf den Ästen der von mir eingebrachten
Korkenzieherweide verbringt - es entspricht definitiv ihrem (bzw. seinem)
natürlichen Verhalten.
Da ich diese Studie sehr interessant finde, habe ich eine kleine Abschrift
in Tabellenform erstellt. Um diese zu sehen, bitte
hier klicken.
Zum zweiten Punkt: In der in Deutschland verfügbaren Literatur habe ich einige, zumindest für mich, "Ungereimtheiten" bei der Beschreibung der Thamnophis proximus-Unterarten festgestellt. Im Prinzip lassen sich hiernach insbesondere die oft im Handel angebotene T. p. proximus und die von mir gehaltene T. p. orarius nur schwerlich unterscheiden. Zur Verdeutlichung des Ursprungs meiner Unsicherheit eine kleine Übersicht über die in der deutschen Literaur aufgeführten Merkmale:
|
Deutsche
Literatur: Unterart
|
Rücken/Rückenstreifen
|
Seitenstreifen
|
| Thamnophis proximus proximus (Westliche Bändernatter) | Rücken schwarz, Rückenstreifen schmal und orange | gelbliche Seitenstreifen |
| Thamnophis proximus orarius (Golfküsten-Bändernatter) | Rücken olivbraun, Rückenstreifen breit und goldgelb | Seitenstreifen manchmal schwach, Farbe der Seitenstreifen wird nicht näher definiert |
Das
von mir gehaltene Exemplar der Golfküsten-Bändernatter konnte
ich nach genauerem Studium dieser in der Literatur gefundenen Angaben nicht
mehr sicher zuordnen. Bestätigungen zur Richtigkeit meiner Zuordnung
erhielt ich zwar (und zwar sehr glaubhafte!), aber für mich selbst
blieb ein gewisses Restrisiko. Dieses resultierte aus meinem dringenden
Wunsch bei passender Gelegenheit ein Weibchen der Golfküsten-Bändernatter
zu erwerben. Ich durchstöberte also das Internet nach Fotos der Nattern
und mußte feststellen, das T. p. proximus eine derart unterschiedliche
Erscheinung haben kann, das das letzte Merkmal, welches hier immer zutraf
der schmale Rückenstreifen blieb! Soweit so gut. Jedoch ließ
mir die Tatsache keine Ruhe, das für meine Bändernatter die Beschreibung
eines "goldgelben" Rückenstreifens einfach nicht stimmte!
Was hatte es nur auf sich mit dieser Farbbeschreibung? Nach der ersten und
zweiten Häutung gab es keinen Zweifel: Das Tier hat einen "goldenen"
Dorsalstreifen, jedoch stellte ich mir unter "goldgelb" etwas
ganz anderes vor - eben etwas eindeutig gelbes, was irgendwie goldig schimmern
könnte.
Zwischenzeitlich konnte ich in Erfahrung bringen, das die Beschreibung der
Nattern aus den 60'er Jahren stammte und einige lediglich anhand von Alkoholpräparaten
erfolgt waren. Ich konnte schmunzelnd feststellen, das ich mit diesem Problem
nicht ganz alleine dastand, auch mein Tierarzt Dr. Mutschmann stellte in
einem veröffentlichten Bericht in der Zeitschrift Sauria über
die Mexikanische Bändernatter (T. p. alpinus) fest, das die beschriebenen
Merkmale (hier auch ein zwar schmalerer, aber immerhin wieder "goldgelber"
Rückenstreifen) nicht mit seinen Beobachtungen der gesichteten Tiere
in der freien Wildbahn übereinstimmten! Also blieb für mich aber
immernoch zu klären, was "goldgelb" nun genau bedeutete!
Wie bereits in der Einleitung erwähnt, brachte das mir das oben genannte
Buch die endgültige (also meine) Erleuchtung! Hier zum Vergleich die
Daten zur Beschreibung der beiden Unterarten aus diesem Buch (auf das Wesentliche
gekürzt):
|
Rossman,
Ford, Seigel: Unterart
|
Rücken/Rückenstreifen
|
Seitenstreifen
|
| Thamnophis proximus proximus (Westliche Bändernatter) | Rücken schwarz, Rückenstreifen orange | gelbliche Seitenstreifen |
| Thamnophis proximus orarius (Golfküsten-Bändernatter) | Rücken gewöhnlich olivbraun, Rückenstreifen breit und goldfarbend | Seitenstreifen manchmal schwach, Farbe der Seitenstreifen wird nicht näher definiert |
Nur
gut, das ich keine T. p. proximus mit den beschriebenen Merkmalen halte!
(Ich befürchte schon, das meine beiden Exemplare nach einigen Häutungen
plötzlich rückenstreifig orange schimmern könnten ;-)) Die
wiederholte Beschreibung des "orangen" Rückenstreifens kann
ich jedoch nach wie vor nur schwer nachvollziehen. Ich habe viele Tiere
dieser Unterart gesehen, die wenigsten hatten das, was man auch nur im entferntesten
einen "orangen" Rückenstreifen nennen könnte! Vielleicht
liegen derartige Beschreibungen immer etwas im Auge des speziellen Betrachters,
aber hätte man mich spontan gefragt wie der Rückenstreifen einer
T. p. proximus aussieht, hätte ich sofort "gelb bis sandfarbend"
geantwortet. Mir sind zwar einige Exemplare auf Fotos aufgefallen, welche
tatsächlich einen "Hauch von orange" in ihrem Rückenstreifen
hatten, aber ich denke orange ist eine Apfelsine - und zeige mir einer eine
T. p. proximus mit einem so gefärbten Rückenstreifen und ich
bin schon still! ;-)
Aber zurück zu meiner Bändernatter. Das war ja erstaunlich! Hatte
ich bislang angenommen, das Mr. Rossman in den 60'er Jahren die Unterart
T. p. orarius ggf. auch anhand eines Alkoholpräparats bestimmt haben
könnte, wurde mir nun so einiges klar. Zumindest in seiner 1996'er
Beschreibung (andere liegen mir im Original nicht vor) war der Rückenstreifen
also goldfarbend - genau wie bei meiner Bändernatter. Dazu kommt, das
der Rücken, welcher bei meiner Bändernatter ziemlich dunkel, aber
nicht schwarz aussieht, hier auch "für gewöhnlich
olivbraun" ist! Das mein Exemplar insgesamt etwas dunkler erscheint
ist unstrittig, hat das Tier doch ebenfalls eine recht dunkle türkis-blaue
Färbung des Bauches und der Seitenstreifen (welches ihn sonderlich
attraktiv erscheinen läßt)!
Hmm...das Resümee aus "meiner Erleuchtung" ist natürlich
nicht einfach, aber ich glaube, das ich kleinen, sicher eher unbedeutenden,
aber für mich entscheidenen Übersetzungs- bzw. Interpretationsfehlern
aufgesessen bin. Um so glücklicher bin ich natürlich nun über
meine neuen Erkenntnisse und die schließendliche Klärung meiner
offenen Fragen.
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