Die Kotprobe

Ich widme diesem Thema ab sofort eine eigene Abteilung. Der Grund liegt darin, das mir immer wieder auffällt, wie widerspenstig und gedankenlos sich nicht nur einige, sondern leider viele Halter (ganz besonders "Einsteiger" aus Verständnisgründen, aber auch Halter mit mehr als 2 oder 3 Tieren) um die Einsicht der Notwendigkeit der Untersuchung einer Kotprobe ihrer Pfleglinge herumwinden. Erschwerend kommt hinzu, das die Auswertung einer Kotprobe ohne Kot des Tieres nicht wirklich aussagekräftig sein muß. Je länger man wartet, desto größer wird das Risiko, das mangels "Material" nur eine teilweise Auswertung erfolgen kann.

Exomed LinkDabei kostet eine Kotprobe nicht einmal viel Geld! Ich selbst zahle je Probe (Stand vom 20.04.2002) € 10,08 (per Post kostet es etwas mehr). Aber auch das Argument, das der nächste Tierarzt zu weit weg sei zählt nicht. Vor Anführen solcher Behauptungen sollte man vorsichtshalber auf den Internetseiten der DGHT einmal nachschauen, ob da wirklich niemand in erreichbarer Ferne praktiziert! Man kann Kotproben bspw. auch über den Postweg zur Untersuchung und weiteren Auswertung einschicken. Ohne Einschränkungen ist hier die Firma Exomed aus Berlin, welche auf ihrer Internetseite (dazu bitte Logo anklicken) eine Hilfestellung zur korrekten Einsendung anbietet, zu empfehlen.

Um es einmal zu verdeutlichen, habe ich folgende Übersicht der bislang von mir gehaltenen Nattern erstellt. Jeder wird schnell erkennen, das einige meiner Nattern heute nicht mehr meine Terrarien bevölkern würden, wenn ich sie einfach so, dem Händler oder Verkäufer vertrauend, ihrem Schicksal im Terrarium überlassen hätte...

Bezeichnung der Natter(n)
Anschaffungsdatum / 1.Untersuchung
Resultat
Bemerkung
Nattermann (T. s. parietalis)
26.12.2000 (privater Halter) / 02.01.2001
u.a. katastrophaler Befall mit Innenparasiten (Entamoeba invadens, Trichomonas spec. ...) Ich habe den Nattermann zu spät geschenkt bekommen. Nach zahlreichen weiteren Untersuchungen und Behandlungen ist er am 03.02.2001 verstorben. Hätte der Vorbesitzer das Tier ein halbes Jahr früher untersuchen lassen, wäre die Hilfe vielleicht nicht zu spät gekommen. So ganz nebenbei hätte ich auch noch über 200,00 DM Tierarztkosten gespart.
Fredi (T. m. marcianus)
26.01.2001 (Zoohandel) / 06.02.2001
geringfügiger Befall mit Trichonomas spec. Die vom Tierarzt und mir verabreichten Schluckimpfungen zeigten umgehenden Erfolg.
Marcy (T. m. macrianus)
10.03.2001 (privater Halter) / 28.03.2001
Kotprobe in Ordnung -
Strippen (2 T. s. parietalis)
10.03.2001 (privater Halter) / 28.03.2001
Kotproben in Ordnung -
Proximan (T. p. orarius)
23.05.2001 (Zoohandel) / 23.05.2001
geringfügiger Innenparasitenbefall Drei Schluckimpfungen sorgten dafür, das die Nachuntersuchung am 12.06.2001 ohne Erregernachweis ausgewertet werden konnte.
Holsteiner (3 T. s. sirtalis)
04.08.2001 (privater Halter) / 15.11.2001
eine der kleinen Nattern hat Flagellaten Die Ursache für den Befall ließ sich nicht klären, verdächtig sind z.B. die verfütterten lebenden Guppys. Nach einwöchiger Behandlung war wieder alles in Ordnung.
Biggies (3 T. s. parietalis)
14.09.2001 (Züchter) / 22.09.2001
Kotproben in Ordnung -
Hammer (3 T. c. cyrtopsis)
14.09.2001 (Börse) / 22.09.2001
Kotproben in Ordnung -
Wendy, Tippse & Spirelli (3 T. proximus ssp.)
30.09.2001 (privater Halter) / 01.10.2001
sehr starker Befall mit Rhabdias (Lungenwürmer) und Kalicephalus (Darm-/Gewebeparasiten) Die drei Nattern waren derartig stark befallen, das mein Tierarzt das Risiko weiterer Medikamentgaben in den kommenden 14 Tagen nicht einging. Erfreulicher Weise und dank strengster Quarantäne waren die Nattern bei der Nachuntersuchung wieder auf der Höhe. Kurz darauf entzündete sich bei einem Weibchen das Maul. Geschwächt durch erforderlich werdende Medikamente und Streß verstirbt sie nach über 5 Monaten (!!) Behandlung.
Tanner (3 T. saur. sackenii)
18.02.2002 (Zoohandel) / 18.02.2002
starker Befall mit Lungenwürmern und Flagellaten 2 der 3 Nattern überstehen die Behandlung und erholen sich rasch. Die dritte verstirbt am 07.04.2002 plötzlich und einigermaßen unerwartet.
Shooter (T. s. sirtalis)
19.04.2002 (privater Halter) / 20.04.2002
Kotprobe in Ordnung, jedoch zu hoher Fettgehalt -

(Stand vom 23.04.2002)

Es ist schon irgendwie erstaunlich, das lediglich 4 von 11 Anschaffungen tatsächlich vollkommen gesund waren, oder? Auch der Kauf von einem Privat-Halter schützt vor kranken oder falsch gepflegten Tieren nicht. Natürlich muß sich jeder selbst darüber klar werden, ob er eine Woche, einen Monat oder vielleicht ein Jahr länger auf ein herbeigesehntes Tier warten kann.

Im Übrigen sollten Kotproben durchaus regelmäßig zur Untersuchung gebracht werden. Sicherlich muß man hierbei nicht immer jede einzeln zum Tierarzt/Labor bringen oder senden ... nur vergessen sollte man es nicht. Ein guter Zeitpunkt sind z. B. die letzten Wochen vor einer geplanten Winterruhe.

Ergibt sich aus der Auswertung einer Kotprobe, das das betreffende Tier an einem Befall mit Innenparasiten o.ä. erkrankt ist, müssen umgehend folgende Maßnahmen ergriffen werden:

Umsetzen der Natter in ein Quarantänebecken (notfalls ist eine handelsübliche Faunabox aus Plaste ausreichend). In dieses Quarantänebecken gehören Papiertücher oder Zeitungspapier als 'Bodengrund', eine Wasserschale und ein Versteck (möglichst aus Pappe oder einem gut zu desinfizierenden Material). Dieses Quarantänebecken ist täglich zu reinigen, zu desinfizieren und gründlich auszuspülen; Kot und Urinat sind sofort zu entfernen. Um den Stoffwechsel der Natter anzuregen, sollte sie etwas wärmer gehalten werden.

Vom Tierarzt verordnete Medikamente sind entsprechend der Verordnung regelmäßig zu verabreichen. Man sollte auch unbedingt daran denken, den Tierarzt zu fragen, ab wann der Natter wieder Futter angeboten werden kann bzw. soll.

Das ursprüngliche Terrarium ist vollständig zu beräumen, alle nicht desinfizierbaren Einrichtungsgegenstände und der Bodengrund sind zu entsorgen. Anschließend muß das Terrarium desinfiziert werden und selbstverständlich gründlich ausgespült werden.

Nach Abschluß der Behandlung der Natter ist eine erneute Kotprobe unumgänglich, um auszuschließen das Erreger nicht vollständig beseitigt werden konnten oder weitere Erreger bei der ersten Untersuchung (noch) nicht festgestellt werden konnten. Das Tier verbleibt zur Beobachtung weiterhin im Quarantänebecken oder wird zumindest separat gehalten.

Eine Anmerkung noch: Einige (darunter auch erfahrene) Reptilienhalter raten oftmals vom Einsatz der 'Chemiekeule' in Form von Desinfektionsmitteln ab. Meiner Meinung nach ist dies jedoch in Terrarien bereits erkrankter Tiere unumgänglich. Die ärgste Erfahrung, welche ich selbst sammeln durfte, habe ich mit einem Kokzidienbefall eines der von mir gehaltenen Tiere gemacht. Um diesen Einzellern beizukommen, reichte bspw. nicht einmal ein handelsübliches Desinfektionsmittel aus der Drogerie aus, sondern es mußte ein spezielles auf Formalin- oder auf Essigsäure (z.B. Wofa Steril) basierendes Mittel zum Einsatz kommen.


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